FAQ

Weshalb benötigt man zur Abklärung einer Legasthenie einen IQ Test?

Häufig werde ich von Eltern gefragt, weshalb man einen IQ Test benötigt, wenn man eine Legasthenie (LRS) abklären möchte.

Wenn die Rechtschreib- und Leseleistungen eines Kindes/Jugendlichen deutlich unterhalb des Niveaus liegen, das aufgrund der im IQ Test erfassten allgemeinen Intelligenz zu erwarten wäre, könnte das an einer Teilleistungsstörung in Form einer Lese- und Rechtschreib-Störung, nach ICD 10 F 81.0 liegen. Eine Teilleistungsstörung sagt zunächst einmal nichts über die Ausprägung der Intelligenz dieses Menschen aus. Im Falle einer LRS sollte im Rahmen eines Nachteilsausgleichs die Leistungsbewertung in allen sprachrelevanten Fächern (Deutsch, Englisch, Religion etc.) für Lesen und Schreiben ausgesetzt werden, damit das Kind/der Jugendliche durch diese Teilleistungsstörung nicht unnötig benachteiligt wird (vgl. dazu den SchulErlass des Landes Schleswig-Holstein oder Hamburg).

Um herauszufinden, ob eine Lese-Rechtschreib-Schwäche vorliegt, bedarf es zum einen der Abklärung der allgemeinen Intelligenz (IQ Test mit sprachfreier Grundintelligenz) und der entsprechenden Lese- und Rechtschreibleistungen.

Liegt zwischen mindestens durchschnittlicher Grundintelligenz im IQ Test und Lese- und Rechtschreibleistung eine deutliche Differenz, so spricht man von einer Legasthenie.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Hochintelligente und Hochbegabte (Ergebnis im IQ Test von mind. 120) durch ihre hohen intellektuellen Fähigkeiten eine Legasthenie oft lange kompensieren können, d.h. man muss bei der Interpretation des IQ Test genau hinsehen, um das Kind/den Jugendlichen richtig einzuschätzen. Vor allem ist wichtig, im IQ Test nur die sprachfreien Leistungen zu berücksichtigen, da der Bereich der sprachlichen Fähigkeiten ja in Bezug gesetzt werden soll zur Gesamtintelligenz. Insofern sollte sich der Diagnostiker gut mit der Anwendung und Interpretation von IQ Test auskennen.

Weiterhin gibt es andere Auffälligkeiten, die ähnliche Symptome wie eine LRS hervorrufen. Dazu gehören z. B. eine verdeckte/umgeschulte Linkshändigkeit, Auffälligkeiten in der visuellen Verarbeitung etc.

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Dr. Karin Joder
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